Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO): Einordnung und Vertragsgerüst
Stand 23.09.2026. Keine Rechtsberatung.
Wer verarbeitet was im Auftrag?
Die Software läuft beim Kunden. Der Hersteller von Klickfolge sieht keine Daten. Der wesentliche Datenfluss nach außen: Mit der Standardeinstellung gehen Schritttexte an die Anthropic-API. Mit Ollama oder „ohne KI“ entfällt er.
Weitere Wege nach außen entstehen nur, wenn der Nutzer die jeweilige Funktion selbst einrichtet oder auslöst:
- Cloud-Stimmen für den Video-Export (Microsoft Azure, ElevenLabs): Dorthin geht der vorzulesende Text der Schritte, vorher maskiert.
- Designvorgabe per Link: Die App ruft die angegebene Adresse ab.
- Designvorgabe als PDF: Die Datei geht vollständig an die Anthropic-API, weil nur Claude sie auswerten kann.
- Sprachdateien für die lokale Stimme: einmaliger Download von GitHub, ohne Inhalte.
Für die Cloud-Stimmen gilt die Tabelle unten entsprechend: Wer sie einschaltet, braucht einen eigenen Vertrag mit Microsoft bzw. ElevenLabs.
Daraus folgt:
| Konstellation | Wer schließt einen AV-Vertrag mit wem? |
|---|---|
| Kunde nutzt einen eigenen Anthropic-API-Schlüssel (heutiger Stand der Software) | Kunde (Verantwortlicher) direkt mit Anthropic. Anthropic stellt für kommerzielle API-Kunden ein Data Processing Addendum bereit; es enthält die Standardvertragsklauseln für den Transfer in die USA. Vor Vertragsschluss die jeweils aktuelle Fassung prüfen. |
| Hersteller vermittelt den API-Zugang (z. B. über einen Proxy mit eigenem Schlüssel) | Kunde mit Hersteller (Auftragsverarbeiter), Hersteller mit Anthropic (Unterauftragsverarbeiter). Dann braucht es das folgende Gerüst. |
Gerüst für den Fall „Hersteller als Auftragsverarbeiter“
1. Gegenstand und Dauer. Formulieren von Arbeitsanleitungen aus Schrittbeschreibungen. Laufzeit wie der Hauptvertrag.
2. Art und Zweck. Übermittlung von Schrittbeschreibungen an ein Sprachmodell, Rückgabe des formulierten Texts. Keine Speicherung beim Hersteller über die Dauer der Anfrage hinaus.
3. Art der Daten. Bezeichnungen von Bedienelementen, Fenstertiteln und eingegebenen Werten. Diese können im Einzelfall Personenbezug haben (Namen, Adressen, Objekt- oder Vertragsnummern). Keine Passwörter und keine Bilder aus der Aufnahme. Übergibt der Nutzer eine PDF als Designvorgabe, geht diese Datei vollständig an das Sprachmodell; sie sollte deshalb keine personenbezogenen Daten enthalten.
4. Betroffene. Beschäftigte des Kunden; Dritte, deren Daten in Elementnamen oder Eingaben vorkommen (z. B. Mieter, Eigentümer).
5. Pflichten des Auftragsverarbeiters. Verarbeitung nur auf Weisung; Vertraulichkeit; technische und organisatorische Maßnahmen (TOM, siehe unten); Unterstützung bei Betroffenenrechten; Meldung von Datenschutzverletzungen ohne schuldhaftes Zögern, spätestens 24 Stunden nach Kenntnis; Löschung nach Ende des Auftrags.
6. Unterauftragsverarbeiter. Anthropic, Leistung: Sprachmodell-Inferenz. Vertragspartner ist nach den Commercial Terms of Service von Anthropic für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum die Anthropic Ireland, Limited (Irland), sonst die Anthropic PBC (San Francisco, USA). Die Verarbeitung findet auch in den USA statt; Grundlage dafür sind die Standardvertragsklauseln der Kommission (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914), die Anthropic in sein Data Processing Addendum aufnimmt. Setzt der Kunde Cloud-Stimmen ein, kommen Microsoft und ElevenLabs als weitere Empfänger hinzu. Wechsel nur mit Vorankündigung und Widerspruchsrecht.
7. Kontrollrechte. Nachweis durch Zertifikate oder Berichte; Vor-Ort-Prüfung nach Ankündigung.
TOM (Auszug, aus der Software abgeleitet)
- Datenminimierung: Aus der Aufnahme geht nur Text an die API, keine Bildschirmbilder und kein Video. Erkannte Werte werden vorher auf dem Gerät durch Platzhalter nach Art des Werts ersetzt (etwa „<IBAN>“, „<Name>“, für eingetippte Werte „<Eingabe>“).
- Eine PDF-Designvorgabe ist davon ausgenommen: Sie geht als ganze Datei an die API.
- Passwortfelder werden technisch nicht erfasst. Protokolliert wird nur, was ausdrücklich als gewöhnliches Eingabefeld erkannt wurde; unbekannte Feldarten, Fernsitzungen (Citrix, RDP), Konsolenfenster und jeder Fehler bei der Abfrage gelten als geschützt, ebenso Felder mit Einmalkennungen und Sicherheitscodes im Namen.
- Verschlüsselte Übertragung (TLS) zu allen genannten Diensten
- API-Schlüssel im macOS-Schlüsselbund, nicht im Klartext
- Aufnahmeordner mit Video und Rohereignissen nach erfolgreicher Verarbeitung gelöscht; scheitert die Verarbeitung, bleibt er liegen, bis jemand die Aufnahme verwirft
- Unbearbeitete Vollbilder bleiben lokal und verlassen das Gerät nicht; exportiert wird nur die geschwärzte Fassung
- Keine personenbezogenen Nutzungsstatistiken